In der bis auf den letzten Platz gefüllten Stadthalle fand am 22.4. eine ganz besondere Lesung statt. Initiator, Rahmen, Anlass: alles ungewöhnlich, also spannend – und das muss es ja auch sein, wenn für das Lesen begeistert werden soll, was einen der Anlässe für diesen gelungenen Abend darstellte. Denn diese außertourliche Lesung am Vorabend zum Welttag des Buches unter dem Titel „Lesezeichen“ war nicht nur eine Feier der seit 33 Jahren bestehendenWeilheimer Hefte zur Literatur (zu denen Bürgermeister Loth das Gymnasium Weilheim und die ganze Stadt in einem launigen Grußwort beglückwünschte), sondern vor allem eine Feier des Buches und damit des Lesens. Dass gerade der Begründer des Weilheimer Literaturprojekts, Herr Friedrich Denk (seit 2004 im Ruhestand), darüber aus seinen Erfahrungen als Deutschlehrer ein Buch geschrieben hat (Titel: „Wer liest, kommt weiter“), verwundert wenig, ist doch sein Engagement für die Sache an dieser Schule bekannt und bewundert. „Wir sind stolz auf Sie, Herr Denk“,kommentierte OStD Summer in seiner Begrüßungsrede. So ließ es sich der pensionierte Deutschlehrer dennauch nicht nehmen, darzulegen, dass gerade das Lesen zum Zuhören und damit Denken zwingt: „Bei einem Redner kann man weghören. Wenn ihr aber lest, dann hört ihr dem Autor zu; oder ihr hört auf.“ Damit ein Wort zu den besonderen Organisatoren, denen dieser Abend zu danken ist, die pensionierten „Ehemaligen“ der Redaktion fanden sich zusammen, eine Lesung zum Wert des Lesens zu veranstalten. Dazu sollte im Vorfeld auch ein Mal- und Schreibwettbewerb zu Kunzes Gedichten die Schüler motivieren. Zusammen mit der musikalischen Umrahmung, für die an dieser Stelle Philipp Scharli, Julia Albrecht, Johanna Treiber, Constantin Hauck und Marietta Schüss gedankt sei, bildete eine Ausstellung dieser Illustrationen den festlichen Rahmen der Veranstaltung. Aus den Schülerarbeiten wählte die Jury (bestehend aus Reiner Kunze, dem Münchener Kunstprofessor Horst Sauerbruch, den Malern Bernd Zimmer und Katharina Rücker-Weininger sowie den Schriftstellern Albert von Schirnding, Guntram Vesper und Barbara von Wulffen) schließlich anstelle der angestrebten 20 sogar 57 Preisträger aus – die Entscheidung fiel zu schwer. In buntem Einzug präsentierten die jungen Künstler die Bilder den Zuschauern nach der Pause und nahmen ihren Siegespreis, ein von Reiner Kunze signiertes Buch, in Empfang. Ein gelungener Weg, junge Menschen für Buch, Lesen und Auseinandersetzung mit der Literatur zu begeistern. Dass es dabei für keinen literarischen Text Altersgrenzen gibt, bewiesen dieSchülerarbeiten der Klassen 5 bis 9 aufs Trefflichste. Dies zeigte auch der Höhepunkt des Abends, die Lesung des Autors Reiner Kunze (Literaturpreis 1997). Wie bei seinen stets begeisternden Auftritten herrschte gespannte Aufmerksamkeit, als der Dichter konzentriert und mit größter Präsenz die Bühne betrat. Es folgte nun eine unglaublich dichte, thematisch vielseitige Lesung aus den Werken des Achtzigjährigen. Ob Tagebuchnotizen, „Liebesgedichte und Gedichte über die Liebe“ aus 50 Jahren oder Verse für Kinder, stets wurden die Präg-nanz im Ausdruck, die pointierte Gedankenführung deutlich. Diese Gedanken sind tatsächlich „für die Dauer gemacht, wirken wie in Stein gemeißelt“, wie es der Leipziger Lektor Hubert Witt in seiner einführenden Lobrede auf Reiner Kunze beschrieben hatte. Mit lang anhaltendem Applaus dankten die Zuschauer für dieses vielseitige Abenderlebnis.