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Latein bietet mehr: Basis gymnasialen Lernens

 

Indem beim Übersetzen mit detektivischer Genauigkeit und Sorgfalt gearbeitet wird, schulen die Schüler ihre Konzentrationsfähigkeit und Lesekompetenz, deren Förderung immer wieder von der PISA-Studie angemahnt wird.

 

Zudem ist Latein eine Schule für Genauigkeit und Sorgfalt beim Lesen, sozusagen eine Schule des Sehens. Dadurch wird eben jene Lesekompetenz gefördert, deren Mangel immer wieder, nicht zuletzt in der PISA-Studie, beklagt wird. Im Lateinunterricht geht es um mikroskopisches Lesen und reflektiertes Textverständnis, also ein langsames, genaues und sorgfältiges Vorgehen, das Konzentration übt. Gerade im Zeitalter der Informations- und Reizüberflutung werden hier also für das Lernen und Arbeiten wertvolle Fähigkeiten gefördert.

Dass eine solche Vorgehensweise Schülern auch sehr viel Spaß macht, erleben wir Lateinlehrer oft im Unterricht. Ein Kollege hat diese Erfahrung folgendermaßen geschildert:

„Ob das vollständige Verständnis eines lateinischen Textes gelingt, hängt in der Regel von der genauen Deutung sehr kleiner Elemente ab (der Endungen). Im Extremfall entscheidet ein Buchstabe - versteckt in einer Verbalform - darüber, ob die Aussage im Indikativ oder Konjunktiv steht, ob also durch Sprache Realität erfasst und abgebildet werden soll, oder ob wir uns im Bereich der Möglichkeit, der Phantasie, der Träume und Wünsche befinden.

Oft gibt es bei Schülern ein spontanes (und vorläufiges) Verständnis der Texte. Da werden 80% der Vokabeln in ihrer semantischen Bedeutung wiedererkannt, der Rest wird mehr oder weniger richtig erschlossen. Und dann wird daraus eine eigene Geschichte und Aussage gestrickt. Das ist kreativ und manchmal auch lustig, trifft aber nicht die Intention der fremden Gedanken, an denen wir unsere Überlegungen ja schulen wollen.

Also schicken wir die Schülerinnen und Schüler als Detektive wieder in den Text zurück: Schaut nochmal hin; habt ihr nicht vielleicht etwas übersehen; habt ihr euch nicht vielleicht vom ersten Eindruck der (freien) Satzstellung täuschen lassen. - Es ist spannend zu sehen, mit wieviel Ehrgeiz, Spaß und Konzentration sich eine Klasse bemühen kann, wirklich alle Informationen zu entdecken und auszuwerten.

Dieses kleinschrittige Lesen […] ist in dem Sinne unzeitgemäß, als es dem schnellen Sortieren und Überfliegen von großen Informationsbergen etwas entgegensetzt. Wir geben uns im Lateinunterricht gerade nicht mit einer oberflächlichen Informationserfassung zufrieden und schalten auch nicht um, wenn es schwierig wird, sondern trainieren in jeder Stunde jene Genauigkeit des Sehens und Lesens, die laut PISA vielen Schülern fehlt. (Und wenn meine Schüler stolz darauf sind, weil sie mich bei einer Unachtsamkeit erwischt haben, also selbst genauer hingeschaut haben, dann ist das in Ordnung! Die Entdeckerfreude gerade bei 10-jährigen ist hier riesengroß. M.E. kann es gar nicht früh genug eingeübt werden, den eigenen Lösungsvorschlag immer wieder zu überprüfen.)“

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