„Vor unseren Augen malen die Worte ein Bild“- Dichterlesung mit Zsuzsa Bánk am 15.03.2018 in der Aula des Gymnasiums Weilheim

„Vor unseren Augen malen die Worte ein Bild“, so führten die beiden Elftklässler Jonas Daiber und Lucas Kaiser in ihrer Rede in die Lesung der Schriftstellerin Zsuzsa Bánk sehr treffend ein. Ein Novum, dass Schüler diese Rolle innehatten, die sie eindrucksvoll vor 400 Zuhörern in der vollbesetzten Aula des Gymnasiums ausfüllten. Damit wurde von Anfang an ein Ton angeschlagen, der die Lesung bis zum Schluss charakterisierte: ernsthaft, konzentriert und sehr intensiv. Auf diese Weise trug Bánk ihre Texte vor, mit denen sie an diejenigen anknüpfte, die im Weilheimer Heft von den Deutschlehrern zusammengestellt waren. Diese führte sie aber weiter und setzte sie somit in einen größeren Kontext, so dass sich neue Perspektiven ergaben. Sie begann mit dem Roman „Die hellen Tage“. Drei Kinder entwickeln darin eine tiefe Freundschaft zueinander, die auch ihre unterschiedlichen Mütter animiert, sich gegenseitig über die „Zumutungen des Lebens“ hinwegzuhelfen. So bekommt Evi, die unkonventionelle Mutter von Aja, Hilfe beim lesen Lernen durch die bürgerliche Mutter der Ich-Erzählerin. Mit poetischer Dichte würdigt Zsuzsa Bánk mit ihrem Roman die Freundschaft dieser Frauen als Lebensentwurf, der „trösten“ kann, so wie es im Publikum explizit ausgedrückt wurde. So poetisch der Roman „Die hellen Tage“ das Leben der Kinder in der Natur und in Einfachheit entwirft, so melancholisch ist der Stil in „Der Schwimmer“, Bánks preisgekröntem Debütroman, der in Ungarn, dem Heimatland der Eltern der Schriftstellerin, spielt. Aus der Sicht eines Kindes wird erzählt, wie eine Familie damit umgeht, dass die Mutter nach dem Volksaufstand von 1956 in den Westen geflohen ist und die Familie ohne Vorankündigung verlassen hat. Auch hier begann Bánk mit dem Anfangskapitel, das im Heft abgedruckt ist, las aber weiter, so dass die Traurigkeit der Ich-Erzählerin noch deutlicher wurde. Das Verlassensein der Kinder, der Tod des kleinen Isti, all das findet die Autorin heute als sehr „grausam“. „Ich könnte das heute nicht mehr schreiben“, meinte sie, auf den Roman angesprochen. Zsuzsa Bánk las mit klarer, feiner Stimme für ein Publikum, das beeindruckend konzentriert auch über die verhältnismäßig lange erste Lesezeit zuhörte. Nach der üblichen Signierpause beantwortete die Autorin viele interessante Fragen aus der Zuhörerschaft, von mutigen Unterstuflerinnen bis hin zu Erwachsenen. Ernsthaft und sachlich ging sie dabei auf alle Fragen ein, auf die einer Fünftklässlerin, die wissen wollte, ob Frau Bánk schon als Mädchen geschrieben habe, oder auf eine Unklarheit in der Interpretation ihrer Kurzgeschichte, die im Unterricht in einer 9. Klasse diskutiert worden war. Die Fragerunde wurde wie immer von Herrn Fietzek gekonnt und liebenswürdig moderiert. Die Veranstaltung endete mit der Lesung der in den Klassen vieldiskutierten Kurzgeschichte „Gebete“ und hinterließ ein nachdenkliches, stilles und sichtbar beeindrucktes Publikum. (Maria Kachl-Gleißner)

 

Dichterlesung mit Zsuzsa Bánk

Am letzten Donnerstag hatten wir die Ehre, die Autorin Zsuzsa Bánk an unserer Schule begrüßen zu dürfen. Zur Einstimmung führten uns Jonas Daiber und Lucas Kaiser aus der Q11 engagiert und gut vorbereitet in die Welten von Frau Bánks Romanen ein, indem sie vor allem auf den Roman Die hellen Tage eingingen. Da die Autorin bewusst an die Begrüßung der Schüler anknüpfen wollte, begann auch die Lesung selbst mit einem Auszug aus diesem Werk: Das Publikum lauschte gebannt der Geschichte um Evi, die als Erwachsene erst lesen und schreiben lernt. Dieser Roman hat einen eher traurigen Hintergrund, da er sich mit dem Verlust von wichtigen Bezugspersonen beschäftigt. Auch in Der Schwimmer, dem Debütroman von Zsuzsa Bánk, erleben die Hauptpersonen einen Verlust: Die Geschwister Kata und Isti lernen mit der Zeit, mit der Abwesenheit ihrer Mutter umzugehen, die in der Zeit des Ungarnaufstandes 1956 nach Deutschland geflohen ist und ihre Familie verlassen hat. Wir haben diesen Roman als Lektüre im Deutschunterricht behandelt und empfanden es als anstrengend, ihn zu lesen. Doch beim Zuhören in der Lesung konnte man sich die Handlung bildlich und gut nachvollziehbar vorstellen. Dem Publikum wurde schnell bewusst, dass Zsuzsa Bánk beim Verfassen ihrer Werke intensiv an der Sprache arbeitet. Es wirkte so, als ob sie sich zu jedem einzelnen Wort Gedanken macht und daher bewusst und mit Bedacht vorliest. In der Pause stärkten sich die fast 400 Zuschauer mit den Angeboten der Bili-Gruppe und warteten gespannt auf den Fragenteil. Hier beteiligten sich Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte und Eltern. Alle Fragen beantwortete Frau Bánk geduldig und ausführlich, so dass wir uns noch ein besseres Bild von ihr und ihren Büchern machen konnten. Wir haben beispielsweise erfahren, dass alle Personen und Geschichten fiktiver Herkunft und nicht autobiographisch sind, und dass die Autorin über die Handlung und die Figuren nicht mehr weiß als die Leser ihrer Romane. Zum Abschluss der Lesung hörten wir die Erzählung Gebete, die auch im Weilheimer Heft Nr. 74 vollständig abgedruckt ist. Wir bedanken uns bei Zsuzsa Bánk, dass sie sich die Zeit genommen hat, an diesem Abend bei uns zu lesen, und dass sie die Fragen so offen und ehrlich beantwortet hat. (Serafina Blättner, Maira Müller-Peña, Erja Rebmann, 10f)