Themen im Fach Griechisch

Jahrgangsstufe 8 und 9: Spracherwerb und Kulturbegegnung

Die Phase des Spracherwerbs dient einerseits dazu, die Voraussetzungen für das Verständnis griechischer Texte zu schaffen. Auf der Basis der Vorkenntnisse aus dem Lateinunterricht ermöglicht das Fach einen unmittelbaren Zugang zur griechischen Sprache und damit zu grundlegenden Texten der europäischen Kultur.

Andererseits führen schon die ersten Wörter und Sätze zu vielfältigen Themen aus den Bereichen Mythologie, Philosophie, Kunst, Geschichte, Literatur und Wissenschaft, die zum Nachdenken und Diskutieren oder zur kreativen Ausgestaltung einladen. So lernen die Schülerinnen und Schüler in Auseinandersetzung mit der Ideenwelt der Antike, ihre eigenen Denkansätze zu reflektieren. Dadurch werden die Persönlichkeitsentwicklung sowie das kritische Denkvermögen angeregt und erweitert. so dass sich die Fähigkeit zu einer logischen und ethisch fundierten Argumentation vertieft.

Der Wegbegleiter in dieser Phase ist das zweibändige Lehrwerk "KAIROS neu". Es ist als Reiseführer durch die Landschaften des antiken Griechenland angelegt und bietet vielfältige Zugänge zur griechischen Welt in Übersetzungstexten, Übungen, Sachtexten, Hintergrundinformationen und reichem Bildmaterial.

Jahrgangsstufe 10: Phase der grundlegenden Literaturbegegnung

Ab dem dritten Lernjahr tritt die Lektüre von Originaltexten in den Vordergrund, die Schülerinnen und Schüler beginnen ihre Entdeckungsreise in den bedeutenden und elementaren Themen und Werken der Griechen.

Den Schwerpunkt bildet zunächst die für das Denken der Nachwelt wohl prägendste Persönlichkeit Athens: Sokrates. Dieser wichtigen Gestalt und seinem Thema - der Mensch auf der Suche nach Wahrheit - nähern wir uns philosophisch, geschichtlich und biographisch in den literarischen Werken seiner Schüler Platon und Xenophon.

Nach dieser Begegnung mit der Philosophie erleben wir einen Reisenden durch die Völker der Antike. Herodot, der "Vater der Geschichtsschreibung" (Cicero) macht sich auf den Weg, um fremde Kulturen zu erforschen, begegnet Ägyptern, Skythen und Persern. Dabei gewinnt er neue Sichtweisen, nicht nur auf das Fremde, sondern auch auf sein eigenes Volk.

Mit Homer, dem ersten Dichter des Abendlandes, gelangen wir zu den Ursprüngen europäischer Dichtung. Die "Odyssee" lässt uns in meisterhafter Erzählweise die Irrfahrten des scheinbar unbesiegbaren Odysseus erleben. Er muss auf seiner mühevollen Heimreise aus Troja den Weg vom Helden zum hilflosen Fremdling durchlaufen, ehe er mit der Hilfe der Götter Heimat und Geborgenheit zurückgewinnen kann. Zusammen mit ihm treffen wir Menschen, deren Situation uns in vielem betrifft: Freude und Leid, Furcht und Tapferkeit, selbstständiges Handeln und Abhängigkeit von anderen.

Auch in dieser Phase wird das Lehrwerk "KAIROS" verwendet, dessen Lesebuch genau auf den in den Vorjahren erworbenen Grundwortschatz ausgerichtet ist.

Oberstufe (Q 11/12): Der Weg durch die griechische Geschichte des Denkens, die Selbstfindung des Menschen

In der Oberstufe beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Kerntexten der Entwicklung der westlichen Kultur. Dabei wird der Weg vom Mythos zum Logos durchlaufen.

Seinen Beginn nimmt der Weg bei Homers Ilias, dem ältesten Dokument europäischer Literatur. Hier tritt der Mensch noch überwiegend von Göttern und sozialen Wertesystemen fremdbestimmt auf, doch sind die Folgestufen bereits grundgelegt.

Die griechische Lyrik lässt aufscheinen, wie das Individuum sich seiner selbst bewusst wird. Es folgen die Naturphilosophen, welche in der Erkundung der Welt zu rationalen Deutungen der sie umgebenden Naturphänomene gelangen, die teilweise bis heute grundlegend sind. Mit der Sophistik erleben die Schülerinnen und Schüler, wie Werte der Gesellschaft hinterfragt und neue Denkweisen entwickelt werden. Zudem lernen sie Methoden der argumentativen Rhetorik kennen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Beschäftigung mit der weithin bekannten Verteidigungsrede des Sokrates, in welcher die autonome Lebensführung des wahren Philosophen vor Augen geführt und begründet wird.

In der Gestalt der Antigone tritt uns eine Persönlichkeit vor Augen, die im Spannungsfeld von Gehorsam und Widerstand, von menschlichem und göttlichem Gesetz steht. Das berühmte Drama des Sophokles zeigt gleichzeitig, wie die griechische Bühne bis heute unsere Vorstellung des Theaterwesens prägt.

Dann folgt in der Begegnung mit dem Historiker Thukydides eine Auseinandersetzung einerseits mit Grundlagen der Geschichtsschreibung, andererseits mit der demokratischen Staatsform der Athener.

Die Frage nach dem richtigen Staatswesen wird den Schülerinnen und Schülern in Platons Werk "Politeia" vor Augen geführt. In der Beschäftigung mit Kernstellen dieser Schrift lernen sie nicht nur eine Analyse des Wesens der Politik kennen, sondern werden auch in das epochenübergreifend wirksame Denkgebäude der Ideenlehre eingeführt.